Freitag, 24.07.2026, 18 Uhr
Ort: Fotografie Forum Frankfurt
Eintritt
5 EUR, ermäßigt 3 EUR, Mitglieder des FFF und Studenten mit gültigem Ausweis haben freien Eintritt.
In ihrem Vortrag spricht Nina Berman über ihr Leben und Arbeiten in den USA und reflektiert darüber, wie sie ihre dokumentarische Praxis unter zunehmend autoritären Bedingungen fortführen kann.
Als Professorin an der Columbia University, wo pro-palästinensische Demonstrationen eine internationale Bewegung auslösten und daraufhin staatliche sowie institutionelle Repressionsmaßnahmen folgten, war und ist Berman sowohl Zeugin als auch unmittelbar Betroffene der Etablierung eines noch wachsenden Zensur-Regimes.
Vor diesem Hintergrund stellt sie die Frage, wie sich Einschränkungen von Meinungsfreiheit und akademischer Freiheit fotografisch erfassen lassen, insbesondere dann, wenn Zensur aus Gründen des selbst Schutzes unabdinglich wird oder sich in intransparenten bürokratischen Praktiken manifestiert, die sich oft der öffentlichen Wahrnehmung entziehen.
Als vorläufige Antwort auf diese Fragen präsentiert Berman »The Complaint«, ein laufendes Projekt, das auf ihren Erfahrungen an der Columbia University basiert. Die Arbeit verbindet eigene Fotografien, original Texte und institutionelle Dokumente und versucht, einen zentralen Aspekt des gegenwärtigen US-amerikanischen autoritären Projekts historisch einzuordnen und erzählerisch sichtbar zu machen: die systematische Unterlaufen der Meinungsfreiheit.
Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Nina Berman ist Dokumentarfotografin, Filmemacherin, Journalistin und Dozentin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit amerikanischer Politik, Militarismus, Umweltfragen und den Folgen von Gewalt und Trauma. Sie ist Autorin von Purple Hearts – Back from Iraq (Trolley, 2004), einer Serie von Porträts und Interviews mit verwundeten US-amerikanischen Veteranen, Homeland (Trolley, 2008), einer Untersuchung der Militarisierung des amerikanischen Alltagslebens nach dem 11. September, sowie An Autobiography of Miss Wish (Kehrer, 2017), in der Berman gemeinsam mit einer Überlebenden sexualisierter Gewalt ihre Geschichte erzählt. Das Buch wurde sowohl für den Aperture Book Prize als auch für den Arles Book Award nominiert.
Zu ihren weiteren Stipendien, Auszeichnungen und Förderungen zählen unter anderem das Guggenheim Fellowship in Photography, Förderungen der New York Foundation for the Arts, der World Press Photo Foundation, der Open Society Foundation, des Center for Documentary Studies an der Duke University, das MIT Knight Science Journalism Fellowship sowie das Aftermath Project.
Sie begann ihre fotografische Karriere 1988 als freie Fotografin und arbeitete im Auftrag führender internationaler Magazine, darunter Time, Newsweek, Life, The New York Times Magazine, New York Magazine, Geo und The Sunday Times Magazine. Ihre Arbeiten thematisieren ein breites Spektrum – von Frauen in Kriegsgebieten in Bosnien und Afghanistan bis hin zu innenpolitischen Themen wie Strafjustiz, reproduktiven Rechten und politischen Prozessen.
Ihre Fotografien und Filme wurden in über 100 internationalen Ausstellungen gezeigt und befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter das Smithsonian und die Bibliothèque nationale de France. Nina Berman hat weltweit Workshops für junge Fotograf*innen geleitet und war von 2009 bis 2021 Mitglied von NOOR Images. Derzeit ist sie Professorin an der Columbia University und lebt in ihrer Heimatstadt New York City.