TALK

STEVE VALK & TONY RIZZI
»BALLET FRANKFURT AND THE CONCEPT OF SOCIAL CHOREOGRAPHY«

Freitag, 23.10.2026, 18 Uhr

Ort: Fotografie Forum Frankfurt



Eintritt 

5 EUR, ermäßigt 3 EUR, Mitglieder des FFF und Studenten mit gültigem Ausweis haben freien Eintritt. 

Das Ballett Frankfurt war nie einfach nur eine Tanzkompanie. Es war ein künstlerisches Ökosystem, in dem Choreografie zu einer Form des Denkens wurde. In William Forsythes Studio arbeiteten Tänzer*innen, Dramaturg:innen, Komponist:innen, Designer*innen und bildende Künstler*innen in einem Umfeld zusammen, in dem Ideen, Praktiken und Disziplinen fortwährend neue Beziehungen eingingen. Die Rollen blieben bewusst durchlässig, weil auch der Arbeitsprozess selbst in ständiger Bewegung war. Choreografie beschränkte sich nicht länger auf die Organisation von Bewegung; sie wurde zu einer experimentellen Praxis, die Wahrnehmung, Beziehungen, Wissen und die Bedingungen neu ordnete, unter denen neue Wirklichkeiten entstehen können.


Forsythe bezeichnete diesen Prozess schlicht als »The Big Conversation«. Der Begriff wurde nie abschließend definiert. Er stand für einen fortlaufenden Dialog mit der Gegenwart – für die Bereitschaft, offen zu bleiben gegenüber jeder neuen kompositorischen Intelligenz, die sich aus dem künstlerischen Prozess selbst heraus entfaltet. Mit der Ausweitung dieses Dialogs überschritt die choreografische Praxis zunehmend die Grenzen des Theaters und trug maßgeblich zu dem bei, was heute als Expanded Choreography und, in jüngerer Zeit, als Social Choreography verstanden wird. Fotografie, Architektur, Museen, Archive, Bildung und der öffentliche Raum wurden nicht als getrennte Disziplinen betrachtet, sondern als weitere Orte, an denen sich choreografisches Denken fortentwickeln konnte.


Auch Tony Rizzis Ausstellung lässt sich als Teil dieser fortdauernden »Big Conversation« verstehen. Im Gespräch zwischen Tony Rizzi und dem ehemaligen Dramaturgen des Ballett Frankfurt, Steve Valk, geht dieser Abend einer Frage nach, die heute aktueller denn je erscheint: Was wäre, wenn das Ballett Frankfurt nicht nur eine der einflussreichsten Tanzkompanien des 20. Jahrhunderts gewesen wäre, sondern die frühe Manifestation eines weit größeren kulturellen Experiments, dessen Tragweite erst heute sichtbar wird?


Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.

Steve Valk (*1962) ist Kulturaktivist, Dramaturg für zeitgenössischen Tanz und Direktor des Institute of Social Choreography in Frankfurt am Main. Zwölf Jahre lang (1992–2004) war er Chefdramaturg und enger künstlerischer Mitarbeiter von William Forsythe und dem Ballett Frankfurt. Von 1998 bis 2004 führte Valks dramaturgischer Schwerpunkt auf transdisziplinärer Vernetzung zur Entwicklung einer neuen partizipativen Epistemologie für die Institution des zeitgenössischen Tanzes. Die daraus hervorgegangenen Großprojekte »Schmalclub« (1999–2002) und »New Meaningful Public Space« (2003–2004) gelten heute als wegweisende Arbeiten auf dem entstehenden Feld der Social Choreography.

Im Dezember 2012 gründete Steve Valk gemeinsam mit einem Netzwerk lokaler, regionaler und internationaler transdisziplinärer Theoretiker:innen, Kulturschaffender sowie zivilgesellschaftlicher und kreativer Partner:innen das erste Institute of Social Choreography. Derzeit leitet Valk Seminare zu Expanded Arts Practice / Experimental Social Work im Fachbereich Ästhetische Bildung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Am Keenan Institute of Ethics der Duke University gründete er gemeinsam mit dem Choreografen und Duke-Professor Michael Klien kürzlich das erste Laboratory of Social Choreography. 



Tony Rizzi (*1965 als Anthony James Rizzi in Dedham, Massachusetts) ist ein italienisch-amerikanischer Choreograf, Performer und bildender Künstler. Er erhielt seine Ausbildung an der Boston Ballet School, u. a. unter den legendären New York City Ballet-Tänzer*innen Violette Verdy und Bruce Wells. 1985 kam er nach Frankfurt, wo er bis 2003 als Tänzer und künstlerischer Assistent beim Ballett Frankfurt unter der künstlerischen Leitung von William Forsythe wirkte. Parallel entwickelte er ein eigenständiges choreografisches Werk: 1995 schuf er gemeinsam mit Forsythe und Dana Caspersen »Firstext« für das Royal Ballet London; weitere Choreografien entstanden u. a. für das Bayerische Staatsballett und das Gärtnerplatz Tanztheater München. Von 1999 bis 2023 war er als Hauptdarsteller in zahlreichen Produktionen von Troubleyn / Jan Fabre tätig, darunter die 24-stündige Performance »Mount Olympus«. 2012 spielte er die junge Marina Abramović in Robert Wilsons »The Life and Death of Marina Abramović« auf internationaler Tournee. Mit seiner eigenen Compagnie ›Tony Rizzi and the Bad Habits‹ entwickelt er seit 2000 eigene Tanzproduktionen, die regelmäßig am Mousonturm Frankfurt und am Gallus Theater uraufgeführt werden. Durch seine eigene Kompanie schafft er weiterhin Performances, die Bewegung, Fotografie, Film, Collage, Text, Humor und gesellschaftliche Kommentare miteinander verbinden. Internationale Tourneen führten ihn u. a. nach Montreal, Wien, Tokio, New York und Oslo. Seit Ende der 1980er Jahre ist Rizzi als Fotokünstler tätig. Seine Werke wurden u. a. im Frankfurter Kunstverein, in der Oper Frankfurt, im Mousonturm, im Kunstverein Hamburg, Platform Sarai, Frankfurt am Main, im MUMOK Wien, und im Mori Art Museum Tokio gezeigt und sind international in Sammlungen vertreten.

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