Carla Rossi

*1999 IT, lebt in Paris (Frankreich) und Mailand (Italien)

Ausgestellte Werke:

Untitled 03, 2023

aus der Serie »A Forensic Selfie«


»Bilder dokumentieren die Identität nicht nur – sie konstruieren sie aktiv, indem sie als performative und relationale Werkzeuge fungieren. Ihre Wirkungskraft liegt nicht im Akt des Fotografierens selbst, sondern darin, wie diese Bilder zirkulieren, wie sie aufgenommen werden und wie sie die soziale Zugehörigkeit prägen. In einer vernetzten, von Algorithmen gesteuerten Gesellschaft fungiert die Fotografie als eine Art sozialer Währung: Sie verknüpft Menschen mit bestimmten Strömungen, politischen Ideen und kulturellen Identitäten und kategorisiert sie gleichzeitig in vordefinierte digitale Raster. Paradoxerweise verstärkt jedoch genau diese Kategorisierung das Zugehörigkeitsgefühl, da wir uns selbst über die Bilder definieren, die wir erstellen, mit anderen teilen und mit denen wir interagieren.

In meiner Arbeit A Forensic Selfie [Ein forensisches Selfie] untersuche ich die sich wandelnde Beschaffenheit von Authentizität in einer vernetzten visuellen Kultur, insbesondere in der Fotografie – einem Medium, das traditionell mit Wahrheit assoziiert wird –, von forensischen Untersuchungen bis hin zu Beweismaterial aus Überwachungskameras. Ich war fasziniert von dieser forensischen Lesart der Kamera im Vergleich zu ihrer heutigen vorherrschenden Verwendung: den sozialen Medien. Da diese Plattformen die Grenze zwischen Realität und Fälschung verwischen, beleuchte ich die Frage, was es in einer Zeit der ständigen Überwachung und damit der ständigen Selbstdarstellung heißt, authentisch zu sein. Als kreatives Werkzeug diente mir FotoForensics, ein wissenschaftliches Freeware-Programm zur Erkennung digitaler Manipulationen, mit dem ich die Ambivalenz zwischen Ästhetisierung und Wahrheit untersuchte. Indem ich das Positivbild erst bearbeitete und dann in die Software einspeiste, die ein visuelles Ergebnis erzeugte, wurde dieses forensische Werkzeug zu einem Instrument, das der Kamera selbst gleichkam und dazu verwendet werden konnte, Körper zu formen, Identitäten zu schaffen und Welten zu kreieren. Durch die Kombination aus Selbstportraits mit der Perspektive des maschinellen Algorithmus hinterfragt dieses Werk die Beziehung zwischen Fotografie und Authentizität im digitalen Zeitalter und interpretiert dabei die Bildbearbeitung als Suche nach dem ›wahren Selbst‹«.

Ausstellung

GEN Z: SHAPING A NEW GAZE

Laufzeit: 09.05.2026–30.08.2026


Eine Generation, unzählige Perspek­tiven: Die Aus­stellung präsentiert Werke von über 40 Foto­graf*innen aus 25 Ländern, die über­wiegend der Genera­tion Z ange­hören und zwischen 1995 und 2010 geboren sind. Ihre Arbeiten erzählen von den Erfahrungen einer Generation, geprägt von digitalen Welten, gesell­schaft­lichen Umbrüchen und globalen Krisen. In vier Themen­bereichen eröffnet die Aus­stellung Einblicke in die Lebens­reali­täten, Sorgen und Sehnsüchte junger Menschen. Aspekte wie Identi­tät, Zuge­hörig­keit, Körper und Gender werden kreativ reflek­tiert, hinter­fragt und in neue Selbst­verständ­nisse überführt.

    Die Ausstellung »Gen Z: Shaping a New Gaze« wurde organisiert und produziert von Photo Elysée und unterstützt vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, und Caparol.

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